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Flockes Erzählungen: Lazarett

Hallo, liebe Leser!

Heute muss ich mal wieder in die Tasten hauen, auch wenn ich es laaange nicht gemacht habe. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Mama.

Meine Mama hat hier im Moment echt viel um die Ohren, und sie tut mir soooo leid. Hier ist nämlich seit einer Woche der Notstand ausgebrochen, und zwar so richtig!

Es fing am letzten Freitag an. Also nicht gestern, sondern den Freitag vorher, am 6. Februar. Irgendwann nachts war mein großer kleiner Bruder wach und rief nach Mama. Es ginge ihm ja soooo schlecht, meinte er. Mama beruhigte ihn und sagte, er solle lieber schlafen, das sei das beste. Dann kam sie wieder ins Bett. Klar, war ja mitten in der Nacht.

Um Viertel nach 5 morgens rief mein kleiner kleiner Bruder nach Mama. Ich hab mich nochmal eingekuschelt, als Mama aufgesteht ist. Sie kommt ja gleich wieder, dachte ich. Doch wer sich dann ein paar Minuten später neben mich kuschelte, war nicht Mama, sondern mein kleinster Bruder. Mir war das erstmal recht egal, Hauptsache kuscheln. Später erzählte Mama, dass der kleine sich übergeben hätte und sie erstmal sein Bett abgezogen hat, bevor sie sich wieder zu uns kuschelte.

Kurz nach 6 war der Große wach und Mama hat bei ihm Fieber gemessen – und er hatte 38,5°C, sagte sie. Für Menschen ist das viel, soviel hab ich in den letzten Jahren gelernt. Also hat Mama die beiden von Schule und Kindergarten abgemeldet, den Oma-Tag abgesagt und die beiden im Wohnzimmer aufs Sofa einquartiert, damit sie sich in Ruhe auskurieren konnten. Der Lütte hat sich zwar noch ein zweites Mal übergeben, aber danach schien er fit zu sein. Naja, relativ halt.

Der Freitag verlief also seeehr ruhig. Die Kinder haben viel gelegen, Mama hat entsprechend wenig machen können. Ja, solche Tage braucht es auch mal.

Doch dann kam der Samstag. Schon nachts war mir aufgefallen, dass Mama unruhig schlief. Sie hat sich viel hin und her gewälzt und ist öfters aufgewacht. Und morgens meinte sie, sie hätte so komische Bälle im Rachen … tatsächlich waren ihre Mandeln geschwollen (nein, die kann man nicht essen!) und Mama hatte arge Probleme zu schlucken.

Meine Familie war vormittags noch einkaufen und sowas, aber Mama ging es gar nicht gut. Nachmittags hat sie es sich mit den Kindern zusammen auf dem Sofa gemütlich gemacht. Naja, relativ gemütlich halt. Mama saß, der Lütte hatte seinen Kopf auf ihrem Oberschenkel und der große Zwerg lag am anderen Ende des Sofas. Geschlafen bzw. gedöst haben sie aber alle. Zum Glück haben im Wohnzimmer die anderen beiden Teile des Stofftierdreigestirns Dienst: Lilla hat sich beim großen Zwerg eingekuschelt und Filou beim Lütten. Und so blieb es auch die nächsten Tage und Nächte. Nachmittags hatte Mama beim Lütten mal Fieber gemessen: 40,5°C. Das Fieber beim Großen ging langsam aber sicher runter. Und da Papa gesehen hat, dass es Mama gar nicht gut ging, hat er sich ums Essen gekümmert. Lieb, nä?

Sonntags musste Papa dann richtig ran: Mama ging es dreckig. Morgens hat Papa sie schlafen lassen, was an sich ja schon toll ist. Gegen halb 10 oder so ist Mama die Treppe runtergeschlichen und hat sich aufs Sofa gesetzt. Keine zwei Stunden später hat Papa sie wieder ins Bett geschickt, weil Mama auf dem Sofa eingeschlafen ist. Sowas kennen wir eigentlich gar nicht von ihr und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Mama ging auch ganz brav ins Bett, kuschelte sich an mich … und schlief bis nachmittags halb 3 oder so. Dann schlich sie wieder runter … und Papa kümmerte sich wieder ums Essen. Allerdings meinte auch Papa inzwischen, dass er wohl was ausbrütet …

Montags ging mein großer kleiner Bruder wieder in die Schule. Er hatte kein Fieber mehr, nur noch Husten, aber der sollte vergehen. Der Lütte war noch nicht ganz fieberfrei, also behielt Mama ihn noch zu Hause. Ergotherapie und Logopädie sagte sie für den Tag aber ab. So hatte Mama Zeit und Ruhe, um Papa zu pflegen, der mit 38,5°C im Bett lag und sich hundsmiserabel fühlte.

Dienstags ging auch der Lütte wieder in den Kindergarten. Fieber war weg, Kind war fit. Papa ging es immer noch mies, Mama war immer noch angeschlagen und hielt die Stellung. Nachmittags hatte der große Zwerg eine Spielverabredung bei uns zu Hause, doch Mama hat das so gedreht, dass sie mit den Kindern zu Dodenhof gefahren ist. Dort konnten die Kinder im Spielparadies toben und spielen und Mama hatte ihre Ruhe. Die brauchte sie auch noch. Schließlich hatte sie am Wochenende ja auch Fieber gehabt, und das steckt ein Mensch in ihrem Alter nicht mehr so leicht weg.

Mittwoch ging es Mama wieder schlechter. Sie hatte wieder Fieber, so um die 38,8°C waren es abends. Nachmittags hatten die Kinder ja Judo-Training und das wollte Mama natürlich nicht ausfallen lassen. Also hat sie Tabletten genommen, damit sie einigermaßen fit ist. Überhaupt habe ich es noch nicht erlebt, dass Mama so viele Tabletten genommen hat wie in der letzten Woche. Sie sagt, das waren alles Paracet…irgendwas. Ich kann mir sowas nicht merken. Aber Mama nimmt nicht gern Medikamente, daher ist es schon bezeichnend, finde ich. Und Mama ging auch jeden Abend früh ins Bett, zumeist zeitgleich mit den Kindern. Mit Chance hat sie abends noch ein wenig gelesen, aber meistens wollte sie nur schlafen.

Mittwoch Abend um 22 Uhr weinte mein kleiner kleiner Bruder ganz dolle. Papa war als erstes bei ihm, weil Mama so fest geschlafen hat. Der kleine Kerl hatte Ohrenschmerzen. Als Mama soweit ansprechbar war, hat sie versucht, ihm ein Paradingsda-Zäpfchen zu geben, aber das hatte nicht richtig geklappt. Zumindest waren die nächsten 3 Stunden anstrengend: Er ist immer wieder eingeschlafen, aber auch regelmäßig aufgewacht, weil das Ohr wieder so weh getan hat. Um 1 Uhr konnte Mama ihm dann Iboprofen-Saft geben, und danach hat der kleine Mann schlafen können. Mama auch endlich wieder.

Donnerstag hat Mama morgens im Kindergarten angerufen und den Lütten abgemeldet. Da sie ja auch schon einschlägige Erfahrungen mit Ohrenschmerzen gemacht hat, hat sie ihn auch für Freitag abgemeldet. So rein profülaktisch. Nur da unsere Kinderärztin am Donnerstag Vormittag ausschließlich Vorsorgeuntersuchungen macht, konnte der Lütte erst nachmittags zum Arzt gebracht werden – und das hat Papa gemacht, weil Mama einen Termin im Kindergarten hatte. Die Kinderärztin stellte fest, dass der Kleine eine Mittelohrentzündung hat und das Trommelfell kurz vorm Platzen ist und er Antibiotikum nehmen muss. Zum Glück schmeckt das Zeugs nicht übel, so dass es keine Problem ist, ihm seine Medizin zu verabreichen. Mama ging es übrigens immer noch nicht wieder gut. Papa auch nicht.

Freitag morgen klagte mein großer kleiner Bruder über Ohrenschmerzen. Mama meldete ihn also von der Schule ab und fuhr mit ihm zur Kinderärztin. Die meinte, er hätte auch ein stark gerötetes Mittelohr, aber noch nicht so schlimm wie sein kleiner Bruder und vielleicht kommen wir da ohne Antibiotikum von weg, so mit 3x täglich Nasenspray und viel trinken. Auf dem Nachhauseweg sind sie noch zu Penny gefahren, einkaufen. U.a. fehlte Eis, was Mama und Papa schon fast als Medizin essen. Mama hat nämlich immer noch Halsschmerzen, auch wenn die Mandeln schon seit ein paar Tagen abgeschwollen sind. Mama war froh, als sie wieder zu Hause war. Oma-Tag war natürlich auch schon längst abgesagt. Logisch, oder? Achja, und nachmittags bekam der kleine Zwerg Durchfall … Abends war Mama mutlos. Was kommt denn noch alles?

Samstag, also heute, hat Papa Mama wieder länger schlafen lassen. Mama war ihm sehr dankbar dafür. Gestern Abend hat sie nämlich mal keine Tabletten genommen als sie ins Bett gegangen ist, und prompt hat sie die halbe Nacht geschwitzt wie ein Bulle und etwas unruhiger geschlafen. Der Vormittag ging dann auch so einigermaßen, doch am frühen Nachmittag kam sie plötzlich ins Schlafzimmer, schmiss sich aufs Bett und hat erstmal geweint wie ein Schlosshund. Ich glaube, ihr geht grad alles ganz fürchterlich an die Nerven, und dann reicht schon ein falsches Wort, um den Damm brechen zu lassen. Mama mag es gar nicht, so lange außer Gefecht zu sein. Sie meint, sie sieht überall Sachen, die sie machen muss, und sie schafft einfach nix, und das nervt sie. Obwohl sie ja weiß, dass sie krank ist, aber sie hat die Schnauze voll davon, meint sie, und sowieso und überhaupt … ich hab ihr meine Tatze gereicht und sie fest gedrückt. Was anderes kann ich ja eh nicht machen. Dann hat sie sich neben mir eingekuschelt und geschlafen. Bis halb 6, dann ist sie aufgestanden und hat sich ums Abendessen gekümmert.

Mama tut mir unheimlich leid. Papa natürlich auch, aber dem scheint es inzwischen schon etwas besser zu gehen. Und die Kinder auch, denen es aber auch schon viel besser geht. Beide sagen, ihre Ohrenschmerzen sind weg. Nur Mama … die hängt noch in den Seilen und kämpft dagegen an und will soviel tun und kann doch nicht … Ich werde gleich wieder zu ihr ins Bett krabbeln, mich an sie kuscheln und versuchen, ihr ein wenig Trost und Kraft zu spenden. Vielleicht geht es ihr ja morgen wieder soweit gut, dass sie ein wenig von dem wegschaffen kann, was ihr so unheimlich auf die Nerven fällt. Wäsche falten zum Beispiel.

Eines noch: Ich danke meinen beiden Helfershelfen vom Dreigestirn, Lilla und Filou, die in der letzten Woche soooo toll meine beiden kleinen Brüder getröstet haben, als sie krank waren. Und ganz doll sag ich Danke an Papa, der Mama so gut unterstützt, wie er kann und ihr viel abgenommen hat. Ich habe es noch nie erlebt, dass meine ganze Familie gleichzeitig krank geworden ist. Und ich möchte es auch nicht wieder erleben. Aber es ist schön zu sehen, dass sie sich trotz aller Widrigkeiten gegenseitig helfen, so gut sie können. Familie halt.

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Flockes Erzählungen: Mama und die Kartoffeln

Oststeinbek, 09. Januar 2008

Flockes Erzählungen:

Mama und die Kartoffeln

Also, eins muß ich hier mal loswerden: Meine Mama kann kochen. Sie sagt zwar, daß man es ihr und Papa leider ansieht, aber mir ist das egal. Ich hab die beiden so lieb, wie sie sind – mit jedem Zentimeter Bauchumfang.

In den letzten Tagen steht Mama aber irgendwie mit dem Kartoffeln kochen auf Kriegsfuß.

Also, normalerweise schält Mama die Kartoffeln, schmeißt sie in einen Topf, kippt etwas Salz darüber und füllt Wasser auf, bis die Kartoffeln so eben bedeckt sind. Dann stellt sie den Topf auf dem Herd bereit, so dass sie den Herd nur einschalten muss, wenn sie Essen kochen will.

Vorgestern fing das Drama an: Es sollte Labskaus geben. Deshalb hat sie vormittags die Kartoffeln geschält und geschnippelt und in ’nen Topf geschmissen und dann den Topf schonmal auf den Herd gestellt. Naja, und als sie dann meinem kleinen Bruder sein Essen gemacht und ihn gefüttert hatte, ging sie in die Küche und knipste den Herd an. Dann spielte sie ein wenig mit meinem Bruder – bis sie einen merkwürdigen Kartoffelgeruch wahrnahm. Und da fiel ihr ein, dass was fehlte: Das Wasser im Topf. Sie übergab den Zwerg in Papas Obhut und rannte an mir vorbei in die Küche. Die untere Lage der Kartoffeln war angebrannt, aber die meisten konnte sie retten. Nur das Essen war ein wenig später fertig als geplant. Und Papa meinte, der Geruch erinnere ihn an ein Lagerfeuer, bei dem man Kartoffeln auf einen Stock spießt und im Feuer gart. Naja, manchmal kommt er schon auf merkwürdige Vergleiche …

Heute ging es dann weiter. Es sollte wieder Kartoffelbrei geben und wieder bereitete Mama die Kartoffeln soweit vor, dass sie nur noch den Herd einschalten musste. Diesmal hat sie es wieder genauso gemacht wie sonst auch und füllte das Wasser gleich in den Topf, bevor sie ihn auf dem Herd bereitstellte. Dann hat sie Cedric gefüttert und ein wenig mit ihm gespielt, und als sie in die Küche ging, um sein Fläschchen vorzubereiten – das war das Kartoffelwasser über den halben Herd gespritzt und die Kartoffeln fast zerkocht. Sie hat sie natürlich gleich abgegossen und abgedämpft und gestampft und geschmeckt hat der Kartoffelbrei dann auch. Aber dieser leichte Räuchergeruch, der durch’s Wohnzimmer waberte, war dann doch etwas … gewöhnungsbedürftig.

Ich hoffe, sie bekommt das bald wieder auf die Reihe.

Bis demnächst auf diesen Seiten,

Eure Flocke

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